Um das Thema Selbstbefriedigung gibt es sehr viel Halbwissen und Unsicherheit, da die meisten Leute nicht gerne darüber sprechen, weil es ein sehr intimes Thema ist, und da die meisten Webseiten vor allem Belege für die Meinung anbieten, die ihrer eigenen Meinung entspricht. So z.B. argumentieren Menschen, die religiöse Vorurteile gegen Masturbation haben, gerne dagegen, und Menschen, die selbst gerne masturbieren, eher dafür. Es werden oft die gleichen Argumente wiederholt, tatsächliche Forschung gibt es wenig dazu. Und wenn, dann hängt die Aussagekraft von Forschungsergebnissen immer noch stark davon ab, wer die Ergebnisse interpretiert. Dazu kommen dann noch Einflüsse der sich schnell verändernden Pornografie, sowie biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen, und das Chaos ist komplett ;)
Um all diese Zusammenhänge im Detail zu beleuchten, müsste man wohl ein Buch schreiben, oder zumindest eine 50-seitige philosophische Abhandlung! Ich werde mich hier also nur auf eine Übersicht beschränken können und hoffe, damit nicht mehr neue Fragen entstehen zu lassen als zu beantworten ;) Wenn noch ein wichtiger Punkt fehlt, bitte gerne per Twitter darauf hinweisen! :)
Fazit
Ich mache hier mal das Fazit an den Anfang, da die meisten eh nicht bis zum Ende lesen werden ;)
Ja, masturbieren ist eindeutig gesund! Aber:
- Nur wenn man es ohne Pornografie macht (ansonsten ist es nicht so eindeutig)
- Nur in gesunden Maßen
- Man kann auch andere Dinge tun, um die gleichen gesundheitlichen Vorteile zu erhalten.
Dem Experiment "NoFap" sollte daher also demjenigen, der daran interessiert ist, nichts mehr im Wege stehen! :)
Allgemein
1. Masturbieren entspannt
Dieser Punkt ist wohl unstrittig. Bedeutet das, dass man masturbieren sollte, wenn man angespannt ist? Das wäre eine Möglichkeit, aber es gibt natürlich noch andere Möglichkeiten! Zum Beispiel Spazieren gehen, Sport machen, entspannende Musik hören, ein Buch lesen, warm duschen, meditieren (oder Meditation lernen!), autogenes Training, mit einem Partner/einer Partnerin küssen oder kuscheln ...
Außerdem kann es durch zu viel Masturbation sein, dass du ZU entspannt bist, bzw. eher erschöpft! Wenn du erschöpft bist, dann kannst du nur noch vor dich hin gammeln und die Zeit mit sinnlosen Tätigkeiten verbringen, d.h. dann ist es auch kein wirklicher Vorteil mehr!
2. Masturbieren macht glücklich
Ja und Nein - nicht masturbieren kann auch glücklich machen! Natürlich wird bei der Selbstbefriedigung das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Allerdings ist dieser Effekt nicht dauerhaft, und kann sich schnell in Motivationslosigkeit im Alltag niederschlagen, im Kontrast dazu (siehe dazu auch das engl. Video Why the Members of Nofap Become Successful). Es ist das gleiche wie mit Süßigkeiten - ja, Süßigkeiten machen kurzzeitig glücklich, aber wer für eine Zeit lang mal komplett auf Süßigkeiten verzichtet, erlebt oft ein Gefühl der Freiheit und inneren Zufriedenheit! Es kommt immer darauf an, von welcher Seite man es betrachtet.
Und auch hier gilt: Wenn du zu viel masturbierst, bist du vielleicht unkonzentriert, erschöpft etc., d.h. du lebst unter deinen Möglichkeiten! Vielleicht wärst du insgesamt glücklicher, wenn du deine Energie stattdessen für etwas nutzt, das dich wirklich mit Stolz erfüllt.
3. Masturbation stärkt den Beckenboden
Auch dies ist korrekt. Es gibt aber auch die Möglichkeit des Beckenbodentrainings (Kegel-Übungen), um einen ähnlichen Effekt zu erreichen. Für Frauen bieten sich zudem sogenannte Vaginalkonen oder Lustkugeln an, um den Beckenboden zu trainieren.
4. Pornografie bei der Masturbation
Ein Punkt, der gerne außer Acht gelassen wird wenn es um das Thema Selbstbefriedigung geht, ist die Pornografie. Die meisten Männer, aber auch viele Frauen, benutzen bei der Masturbation Pornografie oder vergleichbare digitale erotische Inhalte (Audios, Texte etc.). Dass der Konsum von Pornografie in vielerlei Hinsicht problematisch sein kann, ist die Haupt-These dieser Seite und soll daher an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden. Weitere Artikel hierzu folgen ggf. später, auch in der Linkliste sind einige Informationen zum Thema Pornografie zu finden.
Es soll an dieser Stelle nur betont werden, dass Pornografie und Masturbation nicht zwei voneinander getrennte Themen sind, sondern gemeinsam betrachtet werden müssen. Daher übrigens auch die Verwendung des Begriffs "PMO". ;)
5. Die Menge und Intensität macht's
Wie bei allen Dingen gilt: Die Menge macht das Gift! Wer zu häufig masturbiert läuft Gefahr, sich zu desensibilisieren oder sich psychologisch von einer gewissen Intensität der Stimulation (z.B. durch Vibratoren bei Frauen oder einen zu festen Griff bei Männern) abhängig zu machen. Manche Menschen sind zudem der Meinung, dass der häufige Samenverlust bei Männern diverse negative Auswirkungen (unreine Haut, höhere Stimme, weniger Energie) haben kann.
Die eigentliche Frage lautet also nicht, "Ist masturbieren gesund?", sondern viel mehr, "Wie viel masturbieren ist gesund?". Wenn man bedenkt, dass sowohl Selbstbefriedigung an sich, als auch ggf. das Anschauen von Pornografie, Dopamin freisetzen und somit das Belohnungszentrum im Gehirn anregen, dann ist es wahrscheinlicher, dass jemand zu viel masturbiert, als zu wenig.
Speziell für Männer
1. Prostatakrebs
Eine der Meinungen, die man heute am häufigsten findet, ist, dass Masturbieren für Männer gesund ist, weil es das Risiko für Prostatakrebs senkt. Das ist, kurz gesagt, FALSCH. Einen guten Artikel dazu findet man hier: Medizin-Transparent.at - Schützt Selbstbefriedigung vor Prostata-Krebs?
Es gibt nur sehr wenige Studien zu dieser Frage, die sich teilweise gegenseitig widersprechen und die sehr oft unwissenschaftlich interpretiert wurden. Zum einen wurde bei all diesen Studien nicht das Masturbieren untersucht, sondern die Häufigkeit der Ejakulation! Bei der Interpretation der Ergebnisse wird oft angenommen, dass es keinen signifikanten Unterschied macht, ob man durch Sex oder durch Masturbieren zu Pornos zum Orgasmus kommt. Ob das tatsächlich der Fall ist, wurde noch nicht untersucht.
Zum anderen gab es keine Kontrollgruppen, sodass sich selbst aus eindeutigen Korrelationen (die es nicht gibt) keine Kausalität schließen ließe. Angemerkt sei hier, dass dies unter rein praktischen Gesichtspunkten auch sehr schwierig ist, da man eine große Anzahl zufällig ausgewählter Menschen bräuchte, die freiwillig für viele Jahre auf Masturbation und Sex verzichten müssten! Es könnte also z.B. auch sein, dass Menschen mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs und Menschen, die selten zum Orgasmus kommen, statistisch eine dritte, unbekannte Charakteristik verbindet (z.B. eine ungesunde Lebensweise oder Unglücklichsein, was dann zu einer niedrigeren Libido führt), die der tatsächliche Auslöser von Prostatakrebs ist.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass Masturbation zur Vorbeugung von Prostatakrebs in irgendeiner Weise geeignet ist, es könnte auch das genaue Gegenteil der Fall sein. Wer sich ernsthaft Gedanken über die Vorbeugung von Prostatakrebs macht (was eine gute Idee ist!), der kann sich guten Gewissens an die Informationen der Aufklärungsseite Prostata.de halten, kurz gesagt: Ein allgemein gesunder Lebensstil mit gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung ist noch immer die beste bekannte Vorsorge gegen alle Arten von Krebs.
Insbesondere langes Sitzen dürfte wohl ein wesentlich höheres Risiko für Prostatakrebs darstellen, als längere Zeit keinen Orgasmus zu haben.
2. Durchblutung der Prostata
Tatsache ist, dass durch Masturbation und Sex die Prostata besser durchblutet wird, was grundsätzlich wünschenswert ist. Allerdings gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass regelmäßige Bewegung und Pausen beim Sitzen nicht ausreichend wären, um die optimale Gesundheit und Funktionsfähigkeit der Prostata zu gewährleisten.
3. Die Samenstau-Legende
Ein weiterer weit verbreiteter Irrtum ist die sogenannte Samenstau-Legende. Dieser zufolge müssen Männer regelmäßig ejakulieren (entweder durch Sex oder durch Selbstbefriedigung), da sich ansonsten die Samen stauen und dies negative gesundheitliche Auswirkungen hätte. Tatsächlich ist der Körper natürlich und selbstverständlich in der Lage, die Menge an Samen in den Hoden zu regulieren. Überschüssige Samen werden vom Körper wieder abgebaut. Zwar kann am Anfang die Häufigkeit von "feuchten Träumen" (Pollution) ansteigen, aber auch dies reguliert sich nach einiger Zeit.
4. Impotenz durch sexuelle Abstinenz
Ein weiteres Gerücht, das mindestens ebenso absurd ist wie das vorige, lautet, dass ein Mann durch längere sexuelle Abstinenz impotent werden kann. Tatsächlich kann es im Laufe von Nofap vorkommen, dass Penis und Hoden zeitweise weniger empfindlich für Berührungen werden ("flatline")! Viele brechen an dieser Stelle ab, weil sie Angst um ihre Männlichkeit haben. Dass diese Befürchtung unbegründet ist, zeigt die Erfahrung: Solche Phasen gehen vorbei und die Lust kehrt zurück, stärker als zuvor. Durch Nofap ist noch nie jemand impotent geworden! ;) Siehe hierzu auch den nächsten Punkt:
5. Kleinerer Penis durch sexuelle Abstinenz
Ein Gerücht besagt, dass Männern, die längere Zeit abstinent sind, hierdurch der Penis schrumpft, weil er nicht genügend durchblutet wird und sich die Schwellkörper verkleinern. Dass dies Unsinn ist liegt auf der Hand, da jeder gesunde Mann im Schlaf sogenannte nächtliche Erektionen hat, die genau diesem Zweck dienen - um die Funktionsfähigkeit des Penisses zu gewährleisten.